Vor einem Monat haben die Bundeskurien der angestellten und der niedergelassenen Ärzte einen Vertrag vereinbart, der die Anstellung von Lehrpraktikanten in einer Lehrpraxis regelt. Vor allem die Festlegung auf einen Mindestlohn, der ja nach Verantwortlichkeit der Lehrpraktikanten ansteigt und auf Basis einer 30 Stunden-Woche berechnet ist, lässt einige Kolleginnen und Kollegen befürchten, dass die Lehrpraxis nun tot ist. Gerade das Gegenteil ist aber der Fall.
In den Verhandlungen mit dem Bundesministerium hinsichtlich der Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin ist immer ganz klar festgehalten worden, dass eine Lehrpraxis von zumindest zwölf Monaten im neuen Curriculum ein unverrückbarer Bestandteil sein muss.
Es war auch immer ein klarer Konsens, dass die Lehrpraktikanten entsprechend bezahlt werden müssen. Die Beträge, die bei einer ungeförderten Lehrpraxis derzeit oft bezahlt werden, waren aus der Sicht des Verhandlungsteams indiskutabel. Natürlich bedeutet der Vertrag zwischen angestellten und niedergelassenen Ärzten nicht, dass die Niedergelassenen die gesamte Summe für die Lehrpraktikanten übernehmen müssen. Es geht jetzt darum, einen Mix an Finanzierungsmöglichkeiten zu diskutieren. Hier dürfen sich der Bund und die Länder nicht aus ihrer Verantwortung stehlen.
Länder und Bund in die Pflicht nehmen
Laut einer internationalen Umfrage werden in einem dreiviertel der Staaten, in denen in der Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin eine Lehrpraxis als verpflichtend vorgesehen ist, die Kosten der Lehrpraxis zu 100 % vom Staat finanziert. Das wird auch unsere Stoßrichtung sein. Der Staat hat hier Verantwortung, um auch in Zukunft eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung aufrecht zu erhalten. Ist weder das Land noch der Bund bereit, einen gewichtigen Beitrag dazu zu leisten, werden wir das der Bevölkerung in geeigneter Art darlegen.
Solidaritätspool – Erfolgsgeschichte mit Nachbesserungsbedarf
Bei meinen Sprechtagen in den Krankenhäusern wurde der Solidaritätspool der Ärztekammer für OÖ als gute Idee gelobt. Das erste Mal in ganz Österreich zeigt die gesamte Ärzteschaft Solidarität mit den gebührenschwachen Fächern! In der Umsetzung dieses Pionierprojekts zeigen sich aber noch Mängel, die dadurch zu erklären sind, dass wir auf keinerlei Beispiele zurückgreifen konnten. Vorgesehen ist nun, bis 31.10.2009 alle Einreichungen abzuwarten und auf Basis dieser, sowie aufgrund der vielen Ideen, die zurückgekommen sind, ein punktgenaueres Regelwerk für die Inanspruchnahme der Gelder des Solidaritätspools zu erarbeiten. Wir werden auch jene Gruppen mit einbeziehen, die berechtigterweise einige Kritikpunkte angebracht haben.
Burn out – ein zunehmendes Problem
Wir Ärzte sehen unseren Beruf nicht als Job, sondern als Berufung und sind daher sehr engagiert in unserem Einsatz für die Patienten. Immer öfter kommt es in letzter Zeit zu einer Diskrepanz zwischen der idealistischen Erwartung unseres Berufes und der tatsächlichen Realität. Die Gründe dafür würden Seiten füllen, hauptsächlich ist es jedoch die zunehmende Bürokratie in den Spitälern, mit der wir Ärzte sehr häufig alleine gelassen werden. Zusätzlich ist der Drang der einzelnen Träger zu Kompetenzzentren ungebrochen. Wir werden unter dem Titel „gesteigerte Qualität, mehr Möglichkeiten für den Patienten, bestmögliches Behandlungsumfeld, bessere Möglichkeiten für eine persönliche medizinische Weiterentwicklung“ für diese Kompetenzzentren geködert, die unendlich viel Bürokratie nach sich ziehen. Das entsprechende Personal, vor allem was die bürokratischen Aufgaben betrifft, ist aber nicht vorgesehen. Schlussendlich profitieren vor allem die Marketingabteilungen der Träger von solchen Zentren.
Wir müssen endlich lernen, nein zu sagen. Nein zu zunehmenden Aufgaben, bei denen wir keinerlei Unterstützung bekommen. Nein zur Kommerzialisierung der Medizin. Es ist Zeit, Arbeitsbedingungen einzufordern, die es uns möglich machen, die Patienten korrekt zu betreuen. Nur ein gesunder ausgeglichener Arzt hat die Möglichkeit, den Patienten jenen Rückhalt zu geben, den sie brauchen, um mit ihrer Krankheit fertig zu werden.
Präsident Dr. Peter Niedermoser
Linz im Oktober 2009











